
21.4.
27 Grad, Sonne, heute muss es die Ochsenbauchbucht sein. Punktum. Woher der Name kommt? Was weiss ich, vielleicht, weil das Wasser so flach ist, dass es dem Ochsen nur bis zu seinem nutzlos gewordenen Gehänge reicht? Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mich die Anatomie der Ochsen nur solange interessiert, wie sie sich munter am Spieß drehen.
Vormittags ist erst einmal die Säuberung der Gasversorgung für den Kühlschrank angesagt, weil man mir auf Kreta ein stark russendes Gas verkauft hat mit der Folge, dass der Kühlschrank nicht mehr genug Leistung bringt und ich erstmalig gezwungen bin, Strom vom Campingplatz zu beziehen. Die Reinigung der Düse, Einstellung der Zündelektrode und des Thermoelements für die Zündüberwachung benötigen einige Zeit. Zwischendurch lockt schon wieder das Bad in der See zur Abkühlung.
Am frühen Nachmittag, als die Hitze erträglich wird, erkunde ich mit dem Rad den Weg zu Ochsenbauchbucht, immer den Hinweisschildern Voidokilia folgend. Nach weniger als 30 Minuten erreiche ich dieses Naturparadies. Ein Traum von einer Bucht mit reichlich Dünen und Sandstrand, fast durchgängig hüfthohes angenehmes Wasser, ein schmaler Zugang zum offenen Mittelmeer, in den Felsen westlich die Höhle des Nestor, darüber die Zinnen der Festung Paleo Kastro. Versorgt mit Wasser und Sonnenschutz verbringe ich hier einige herrliche Stunden. Es gibt allerdings auch nichts, weder Taverne noch nennenswerten Schatten. Der angeschwemmte Tang trübt den Eindruck ein wenig, sollte bis zur Badesaison auch entfernt werden.
Der Wind dreht am nächsten Tag und Sicht ist so klar, dass ich noch mal den Weg zum Paleo Kastro hinaufsteige, um eindrucksvollere Fotos zu machen. Dazu fahre ich mit dem Womo bis zum Ende des Weges unterhalb der Festung, ignoriere erneut das Schild mit dem Hinweis, dass die Ruine wegen Baufälligkeit geschlossen ist und wende mich nach links, steige in 25 Minuten den Weg hinauf. Unterwegs schaue ich zwei Schlangen beim lautlosen Liebesspiel zu und grüße am Eingang der Ruine die im Schatten lagernde Ziegenherde. Die Aussicht von den Zinnen ist gigantisch. Vom besagten Parkplatz aus führt übrigens ein Pfad unterhalb der Felsen nach rechts in Richtung Ochsenbauchbucht (15 Min.) und Nestors Höhle.
23.4.
Um nach den Palästen von Mykene und Tiryns auch noch den dritten sehenswerten Palast aus mykenischer Zeit zu besuchen, fahre ich hinauf zum Ort Chóra. Unter Nestor vom Geschlecht der Neleiden entwickelte sich im 13 JH. v. Chr. Pylos zu einer reichen und blühenden Handelsstadt. Sein Palast, von dem leider nur der Hauptteil zugänglich ist, liegt sehr hübsch auf einem Hügel mit Blick über die Bucht von Navarino. Die Struktur der Anlage, Korridore, Thronsaal und Magazine sind noch gut anhand von niedrigen Mauern zu sehen. Allerdings sind Mykene und Tiryns erheblich beeindruckender mit ihren massiven Zyklopenmauern und der Weitläufigkeit.
Bei Kyparissia beginnt die Küstenlinie mit kilometerlangen Sandstränden, wo man praktisch überall ein Plätzchen für die Nacht findet. Ich finde in Neochóri einen netten großen Parkplatz direkt am Strand, wo sich im laufe des Abends auch noch einige andere Womos einfinden. (N 37 25.962 E 21 39.218)