
15.-19.4.
Der weitere Fahrtverlauf: die westliche Seite der Mani hinunter nach Kalamata, wobei der Ort Kardamili mit seiner Bucht und der vorgelagerten Insel als sehr idyllisches Plätzchen hervorgehoben werden muss. In Kalamata Stellplatz beim Cafe am Yachthafen, mit ein wenig Glück kann man hier eine stabile WLAN-Verbindung aus fünf verschiedenen Netzen auswählen. Die schachbrettartig angelegte Stadt und die lange Hafenpromenade sind gut zu Fuss zu erwandern.
Auf dem Weg um den kleinen Finger der Peloponnes nach Methoni fällt mir auf, dass der Frühling und das bevorstehende griechische Osterfest deutliche Zeichen setzen. Überall wird geweißelt, werden Tore lackiert, wird Blumenschmuck an den Häusern angebracht, werden Brücken gestrichen. Sogar eine Reinigungskolonne sammelt Müll entlang der Hauptstrassen ein, beim Hang der Griechen zum gedankenlosen Wegwerfen wahrhaft eine Arbeit, gegen die Sisyphos mit seinem „Steinchen-den-Berg-hochrollen“ arg blass aussehen würde.
In den fruchtbaren Gebieten westlich von Kalamata werden Oliven, Wein, Feigen und Orangen angebaut. Angesichts der am Wegesrand angebotenen Orangen überdenke ich meinen Vitaminhaushalt und kaufe kurzerhand einen 10 kg-Beutel für 5 Euro, nicht ohne mich bei der braunäugigen Verkäuferin durch eine Kostprobe von der fast kernlosen, köstlichen Qualität zu überzeugen. Am nächsten Stellplatz werde ich die Früchte quasi im Handumdrehen, knapp an einer Sehnenscheidentzündung vorbeischrappend, in mehr als 3 Liter 1A kühlen Orangensaft für die nächsten Tage verwandeln.
Es ist wenig Verkehr Richtung Korona, also bummele ich langsam durch die Landschaft. Bei einem deutschsprachigen Weinangebot rechts der Strasse stehe ich auf der Bremse, denn ein Wein vom Fass, das wäre fein, was. Leere Wasserflaschen sind schnell herausgekramt und nach einer Verköstigung von verschiedenen Fässern ziehe ich mit frischem Aspro Krassi (Weißwein) westwärts.
Vor Korona geht es von der Küste weg Richtung Finikounda. Angesichts der vielen Hinweisschilder „kurvenreiche Strecke“ frage ich mich langsam, ob die Griechen diese Schilder im 100 000er Pack besonders günstig bekommen haben. Das ganze Land IST eine kurvenreiche Strecke!!! Ein Hinweis hierzu in den Einreiseinformationen hätte vollkommen genügt. Auf 50 km Küstenstrasse irgendwo im Land wird man zehnmal mit dem sicheren Tod konfrontiert, wenn man nicht mit allen geschärften Sinnen und nüchtern fährt. Obwohl, die unglaublich vielen Marterl in und hinter Kurven zeugen davon, dass es viele Einheimische wohl doch nicht gepackt haben, weil sie telefonieren mussten oder zur unvermeidlichen Zigarette gegriffen haben oder beides gleichzeitig? Wir werden es nie erfahren.
Als sich der Bug des Womo endlich Richtung Küste senkt und der Blick auf die sonnige Bucht von Finikounda möglich wird, beschließe ich, die nächsten zwei Tage hier zu bleiben und steuere den Campingplatz Ammon an, ein weitläufiges großzügiges Gelände direkt am Sandstrand, mit jeder Menge tiefroter Mohn, wo jeder ein passendes Plätzchen findet und sich einige Deutsche und Österreicher eingerichtet haben. Zwischen einer Tamariske und einem Feigenbäumchen parke ich das Womo ein. Ein Radausflug nach Finikounda am folgenden Tag zeigt, so richtig umwerfend ist der winzige Ort ja nicht. Zwei oder drei Tavernen, ein kurzer Sandstrand, einige Boote, das war´s schon. Da bleibe ich schon lieber auf dem Campingplatz und genieße die Natur.