
1.4.
Nach fast acht Wochen auf Kreta fahre ich am 31. März mit der Knossos Palace zurück nach Piräus. Leider ist es wieder eine Nachtpassage um 21 Uhr, ich habe nicht das Glück, die Häfen von Iraklio oder Piräus bei Tageslicht vom Schiff aus zu sehen. Die aus dem Flugzeug entliehenen Liegesitze lassen nur beschränkt Lageveränderung zu, so wird die Zeit bis 6 Uhr früh schon sehr lang. Hundemüde runter vom Schiff, am Ende der Hafenmole kurz gebremst und dann in die eigenen Womo-Koje ist deshalb eine Minutensache.
Frisch gestärkt geht es um 10 Uhr links aus dem Hafengelände heraus, immer dem Hauptverkehr nach in Richtung Korinth. Nächstes Ziel ist die heilige Stadt Epidaurus auf dem Peloponnes. Im Gegensatz zu Kreta ist auf der breiten, gepflegten Küstenstrasse spürbarer Verkehr. Von links grüßt der Saronische Golf herauf, ich passiere sehr schöne Buchten, einige im Vorjahr verbrannte Wälder und entsetzlich vermüllte Parkplätze.
Etwa zwei Stunden nach Abfahrt rolle ich auf dem Parkplatz des historischen Epidaurus aus, vor mir liegt einer der Höhepunkte des Peloponnes. Der Mythos geht zurück auf das 5 Jahrhundert v. Chr. und beschreibt die Geburtsstätte der Verehrung des Asklepios, dem Gott der Heilkunde. Tempel und Orte der Heilhandlungen, in denen auch mit Hypnose und Heilschlaf gearbeitet wurde, sind wenig erhalten.
Kernpunkt ist das Theater mit 55 Sitzreihen für 14 000 Zuschauer, beeindruckend und harmonisch in die Landschaft eingefügt. Um die runde Orchestra sieht man die Sitzbänke mit Lehnen für die damaligen VIPs. Im Gymnasion, für Vorträge und Musikdarbietungen genutzt, erkennt man die ansteigenden Sitzreihen, ebenso im Stadion. Das sehenswerte Museum auf dem Gelände beinhaltet Statuen, Fresken und Rekonstruktionen der Tempel, sehr hilfreich für die Vorstellung, wie das Gelände vor 2300 Jahren ausgesehen haben mag.
Das gesamte Ausgrabungsgelände, auf dem heute fleißig rekonstruiert wird, ist mehr als 1400 m lang und 1000 m breit, es gibt also viel zu sehen und zu erwandern. Zwei Stunden sind vergangen, bis ich starte und etwas südlich von Nafplio einen Standplatz am Argolischen Golf finde