Von Sitia nach St. Nikolaus

Bucht von Tholos, tief unten
Einsamer Strand, intakte Duschen

7.3. Die Hauptstrasse führt nach Westen in die Hügel und später mit atemberaubenden Ausblicken im kurvenreichen auf und ab an der Küste entlang bis Ag. Nikolaos. Wenige Kilometer von Sitia wird die Asphaltbahn eifrig ausgebaut, einige halbfertige Brückenbauwerke stehen schon.

Irgendwann taucht rechts tief unten die Bucht von Tholos auf, idyllisch gelegen und oft empfohlen. In Kavousi nehme ich den Abzweig durch Olivenhaine hinunter zum Strand, wo ich eine geschlossene Taverne passiere. Das glasklare blaue und türkisfarbene Wasser lädt zu einem Bad ein, vorerst mal bis zu den Knien.

Für die Nacht parke ich das Womo windgeschützt eng an der Mauer einer Kapelle, die einzigen Lebewesen außer mir sind eine Hündin und ihre vier Welpen. (N 35 09.137 E 25 51.656)

Gournia

Gournia direkt an der Strasse
Mauern und Gassen
Blick über Mirabello-Bucht
Kapelle und Ag. Nikolaos

Ein Stück hinter der Einmündung der Strasse von Ierápetra erreiche ich am frühen Vormittag die besterhaltene Stadt der Minoer. Hier muss in der Bronzezeit ein Handwerkszentrum gewesen sein, auf einem Hügel in direkter Nähe zum Meer gelegen. Mehr als 1000 Menschen sollen hier gelebt haben, die Mauern der meisten Häuser, gepflasterte Wege und Treppen sind zu sehen sowie Teile der Kanalisation.

Die Gassen sind kaum mehr als 1,20 m breit, die meisten Räume ausgesprochen klein, allerdings hatten die meisten Häuser ein zweites Stockwerk mit außen liegender Treppe.

An der höchsten Stelle des Geländes, wo Agorá und Palast gewesen sind, geht der Blick weit über das Meer bis zur Stadt Ágio Nikólaos. Hier oben sitze ich längere Zeit und unterhalte mich mit einem netten Holländer, der vor einigen Jahren alle Güter und seine Firma verkauft hat, seither mit dem Wohnmobil durch Europa zieht und natürlich Griechenland ausgezeichnet kennt, über den Gedanken der Freiheit. Von ihm erhalte ich wieder einmal wertvolle Tipps und Adressen und erfahre, dass ihn alle nur Peter Pan nennen, weil er überall nur vorübergehend ist.

Ich versuche, auf der alten Route westlich den Campingplatz Gournia Moon zu finden, da ist plötzlich die Strasse zu ende. Links zieht sich eine kurze Steigung hinauf, die offensichtlich häufig befahren ist und auf die New Road münden muss. Zu spät erkenne ich, dass sie in der einzigen Kurve zu steil für das Womo wird. Einige erfolglose Anfahrversuche führen zum stetigen Abrutschen rückwärts zum Kurvenrand. Ein hilfreicher Pick-up-Fahrer versucht, uns mit einem Tau nach oben zu ziehen, aber sein Fahrzeug ist viel zu leicht für eine ordentliche Traktion. Dann reisst auch noch das Seil, was mich wieder einen Meter nach unten rutschen lässt, bis glücklicherweise ein Fels das Hinterrad bremst. Jetzt gibt es kein Vor und kein Zurück.

Nach fast zwei Stunden hilft ein netter Grieche mit seinem sehr neuen, sehr schweren Pick-up, tätschelt selbstbewusst die Karosserie ( „No Problem“) und entfaltet sein nagelneues Textil-Abschleppband, zugelassen für 4 Tonnen. Ich sage nie wieder etwas gegen diese im Land so populären Lastwagen. Minuten später bin ich dankbar auf dem Weg nach Agios Nikolaos, finde sofort den Yachthafen mit seinem internationalem Flair und richte mich auf dem Parkplatz davor auf drei Übernachtungen ein. (N 35 11.214 E 25 43.023)