
5.3. Nach Nordost geht es heute, zuerst an der Küstenlinie entlang, dann die überwiegend langen geraden Steigungen auf guter Straße hinauf, bis in Papagiannádes mit 440 m der höchste Punkt erreicht ist und kurz vor Sitia eine kurvenreiche Strecke anfängt.
In der Stadt steuere ich den Fischerhafen an und finde im Windschatten von noch geschlossenen Strandtavernen an der Mole einen Übernachtungsplatz. (N 35 12.391 E 26 06.485 )
Ein Spaziergang hinauf zum Kastell führt über etliche Treppengassen. Leider haben die Venezianer die Festung 1651 selbst gesprengt, um sie nicht in die Hände der Türken fallen zu lassen, deshalb ist außer den Mauern und dem Hauptgebäude kaum etwas zu sehen. Der großartige Blick über den Hafen lohnt den Weg aber allemal. Im Innenhof steht eine Bühne für sommerliche Freiluftaufführungen.
Die besuchten Ausgrabungsstätten haben mich neugierig gemacht auf die Funde, die von den Archäologen freigelegt worden sind. Im Museum von Sitia sind zahlreiche Stücke aus verschiedenen Epochen zusammengetragen und weitgehend dokumentiert. Die wichtigsten Fundorte wurden von Ballons aus niedriger Höhe fotografiert und geben hilfreiche Überblicke. Neben Keramik, Vasen, Tonfiguren, Traubenpresse und Getreidemühlen ist als Hauptfigur der bedeutendste Fund aus Elia präsentiert, eine männliche minoische Skulptur aus Elfenbein mit vergoldetem Haar.
Gegen 19 Uhr lässt ein einstündiger Stromausfall das öffentliche Leben zum erliegen kommen, kein Gyrosspieß dreht sich mehr, die Karten kann man nicht bei Kerzenlicht spielen und alle Gäste strömen auf die Strasse. Ein Steinwurf vom Womo brüllt unüberhörbar ein Diesel auf, der das Notstromaggregat für die Hafenbeleuchtung unterhält. So ist die ganze Stadt in Dunkelheit gehüllt, nur auf der Mole spazieren Hunderte von Menschen am Womo vorbei.


6.3.
Sitia ist Ausgangspunkt für eine sehr schöne Tagestour weiter in den Nordosten der Insel. Zuerst sehe ich mit nach kurzer Fahrt das bestens ausgeschilderte Kloster Toplou an, das zu den meistbesuchten der Insel gehört. Es steht einsam und wehrhaft in der Felswüste, davor der Stumpf einer Windmühle mit Resten der Einrichtung.( N 35 13.252 E 26 12.937)
Von weitem sieht man den Glockenturm mit Pechnase und dem schweren Tor zum Innenhof. Mit seiner Kieselsteinpflasterung ist der Innenhof sicher einer der schönsten seiner Art auf Kreta. Die kleine Klosterkirche birgt Dutzende von wertvollen und eindrucksvollen Ikonen, mit „Megas y Kyrie“ eine der großartigsten Ikonen Kretas.
Es gibt noch ein kirchliches Museum und eine Sammlung zur Rolle des Klosters im Freiheitskampf und im zweiten Weltkrieg, die aber jetzt noch geschlossen sind.
Einige Kilometer östlich vom Kloster fahre ich unvermittelt an einem dichten, hohen Palmenwald vorbei, der sich weit ins Hinterland zieht. Ein riesiger Parkplatz in Strandnähe lässt mich erahnen, was hier in der Saison bei Südsee-Feeling angesagt ist. Schattenspendende Palmen und ein traumhaftes Strand inmitten der Felseinöde. Hippies, Rucksacktouristen, Langzeiturlauber und der verdreckte Palmenwald hatten zu einem schlechten Ruf geführt und die Behörden veranlasst, Zäune zu ziehen und nur den unmittelbaren Strandbereich zugänglich zu lassen.
Jetzt in der Nebensaison sind einige Arbeiter dabei, die Toiletten herzurichten, ansonsten bin ich allein auf weiter Flur und lasse vom Aussichtspunkt die Atmosphäre einige Zeit auf mich wirken. N 35 15.192 E 26 15.884
Unterwegs zum Dorf Palékastro mache ich einen Abstecher zum Strand von Koureménos und stelle fest, dass es hier zwar noch ruhig und übersichtlich ist, an der Strasse liegt allerdings schon eine fremdartig wirkende Appartmentanlage und in Richtung Strand entsteht gerade eine zweite.
In Palékastro biege ich in Ortmitte scharf links ab in Richtung Strand und such die minoische Ausgrabungsstätte Roussolákos. Die einfachste Zufahrt findet man, wenn man sich unbeirrt in Richtung rechts vom weithin sichtbaren Tafelberg hält und bis an den Strand fährt. Von da aus sind es nur ein paar Meter bis zu den Informationsschildern der weitläufigen Anlage. N 35 11.889 E 26 16.583
Es handelt sich um die spätminoische Stadtsiedlung Eliá, wahrscheinlich zweitgrößten Stadt Kretas nach Knossós, von der Haupt- und Nebengassen sowie die Grundmauern zahlreicher Häuser existieren.
Die wichtigsten Informationen wie Lagepläne und Angaben über die hier gefundenen Gegenstände sind auf Tafeln vor Ort ersichtlich.