
12.-18.3.
Für die Hauptstadt Kretas muss eigentlich das Basis-Touristenprogramm reichen: Archäologisches Nationalmuseum, Platia Venizelou mit Morosini-Brunnen, Marktgasse, Bembo-Brunnen und eine Auswahl von Kirchen. Der Bereich innerhalb der venezianischen Stadtmauer ist laut und hektisch, der motorisierte Verkehr dominiert. Fußgänger drücken sich an Hauswänden entlang, müssen wegen parkender Fahrzeuge und der unglaublichen Menge stinkenden Mülls (Streik der Müllwerker) wieder auf die Fahrbahn, Zebrastreifen haben keine Wirkung, rote Ampeln und Einbahnstrassenregelung werden ignoriert, nicht mal in den Fußgängerzonen ist man vor den ewig knatternden Zweirädern sicher. Flüchten kann man einerseits auf die breite Stadtmaueranlage, wo man beim schlichten Grab von Nicos Kazantzákis einen schönen ruhigen Blick auf die Stadt, die Berge und das Meer genießen kann.
Nachdem die berühmte Marktgasse wegen Kabelverlegung fast auf ganzer Länge Baustelle ist und auch der Morosini-Brunnen nackt ohne seine Wasserschalen dasteht, ist für mich das einzig Wahre der Weg durch die Strasse des 25.August hinunter zum Hafen. Hier am Fischerhafen entlang zum Kastell Koúles. Im Kastell liegen wenige Kanonen und Kugeln, ansonsten sind alle Räume leer. Der Blick von den Zinnen, die man rundherum begehen kann, lohnt aber den Eintritt, mehr als 30 Minuten sind für das ganze nicht nötig.
Bei herrlichen Temperaturen ist es eine Wohltat, vorbei an den riesigen Fähren die Mole bis zum nördlichen Ende bei 2281 m zu gehen. Bei 1280 m entdecke ich einen geschlossenen Getränkestand mit der Bierwerbung fröhlich, fränkisch, frisch, aber leider kommen wohl in dieser Zeit nicht genug Franken für ein lohnendes Geschäft.
Dieses bedeutendste Museum der Insel befindet sich zurzeit wegen statischer Probleme im Umbau, der Zustand wird wohl noch zwei Jahre anhalten. Es bedeutet, dass weniger als 10 % der Ausstellungsfläche zur Verfügung stehen, in der man einige der wichtigsten Exponate zusammengetragen hat. Für Bewachung ist bestens gesorgt, alle Museumswächter halten sich im einzigen geöffneten Raum im Erdgeschoss auf, meist also doppelt so viele Wächter wie Besucher. Da ich die meisten Ausgrabungsorte zuvor angesehen habe und die Exponate leidlich beschrieben sind, fällt mir ihre Zuordnung nach Zeitalter und Fundort leichter als befürchtet.
Ein Rundgang durch die bescheidene Präsentation ist Geschichte im Zeitraffer, von einfachen Tonfiguren der Jungsteinzeit über Keramiken der Palastzeit, entstanden nachdem die Töpferscheibe erfunden war. Neben Schmuck und Waffen, Gegenständen des täglichen Bedarfs sind die Hauptstücke der Diskos von Festos aus der Zeit zwischen 1700 und 1600 v. Chr., der Steinsarkophag aus Agia Triada, Schlangengöttin, Stierkopf und Fresken aus Knossos, Statuen von Zeus und Isis aus Gortyn, als die Stadt römische Siedlung war.
Ein Stück ganz andere Geschichte sehe ich mir dann noch im Museum gleich um die Ecke an, das die Schlacht um Kreta ab 1941 und den Kretisch-Alliierten Widerstand zum Thema hat. Allerlei Fotos und Ausrüstungsgegenstände sowie die Kapitulationsurkunde von 1945 sind zu sehen, die meisten Erläuterungen sind allerdings in Griechisch.