
27.3.
Für die letzten Tage auf Kreta habe ich mir noch einige landschaftliche Höhepunkte im Westen der Insel aufgehoben. Von der Hafenmole bei Kissamos fahre ich fast zwei Stunden im ständigen Auf und Ab an der schönen Küste entlang, genieße bei Fotostopps die herrlichen Ausblicke hinunter ans Meer. Die Fahrt mit dem Womo verlangt alle Aufmerksamkeit, denn nicht immer erkennt man Gegenverkehr in den Kurven rechtzeitig, rechts geht es meist atemberaubend tief abwärts, es gibt viele schmale Stellen mit überhängenden Olivenbäumen, und manchmal trifft man hinter in der Kurve unverhofft auf Ziegen. Oberhalb von Vathi ist mit 500 Metern die höchste Stelle erreicht, dann geht es steil durch den Ort abwärts und später auf breiter Strasse der Ebene entgegen.
Bei N 35 18.645 E 23 32.003 grüßt von rechts das Kloster Chrissoskalítissa, strahlend weiss auf einem Felsen über dem Meer gelegen. Der Name leitet sich ab von einer goldenen Stufe, die jeder sehen kann, der ohne Sünde ist. Leider sind das Museum mit alten Ikonen und Silbersachen sowie die Klosterkirche mit markantem Gewölbe heute nicht zu besichtigen, und kleine Sünderlein sind wir doch alle!?! Also keine goldene Stufe zu sehen.
Sechs Kilometer hinter dem Kloster, nach Rollen auf autobahnbreiter Strasse und dann über eine kurze Schotterpiste, erreiche ich das heutige Ziel: den Strand von Elafonisi. Schon der oberflächliche Eindruck ist faszinierend, das Wasser ist glasklar und warm, schimmert in unglaublich vielfältigen Blau- und Türkistönen, im Kontrast dazu steht der rötliche Sand des breiten und langen Strandes. Ein Karibik-Traum an einer der schönsten Stelle Kretas. Die heutigen Besucher kann ich an zwei Händen abzählen, in der Saison sieht das allerdings ganz anders aus, von einem Geheimtipp kann man nicht mehr reden. (N 35 16.236 E 23 32.529)
In Badekleidung wate ich durch das gerade metertiefe Wasser hinüber zur Insel, an deren Südseite durch etliche kleine Buchten in Richtung Felsenkamm. Einige spärliche Wegweiser sollen zeigen, wo es nach oben geht, aber angesichts der Felsen und meiner Badelatschen ziehe ich ein Bad im Meer vor. Wieder zurück auf dem Festland weiss ich die Aussendusche des Womo erstmalig zu schätzen, denn der Platz ist zwar touristisch bestens erschlossen, aber die Strandduschen sind natürlich noch nicht einsatzbereit.
Nach vier Stunden Besichtigung, Schwimmen in paradiesischer Umgebung und faul in der Sonne liegen werfe ich den Diesel an und strebe wieder Kissamos zu. Diesmal nehme ich hinter Vathi die deutlich kürzere und verkehrsreichere Strecke landeinwärts. Kurz vor dem einzigen Tunnel, der mit 3,5 m Höhe keine Gefahr für das Womo ist, lege ich einen Zwischenstopp bei der Höhle der Heiligen Sofia ein. (N 35 24.692 E23 40.940) Etwa 270 Stufen über der Strasse öffnet sich eine saalartige Grotte mit weissen Stalakmiten und einer kleinen Kapelle