
Der Campingplatz von Craignure auf der Isle of Mull war Quartier für die nächsten Tage. Mit dem Rad erstrampelte ich gemütlich die Insel mit ihrem recht geringen Verkehrsaufkommen. Ein Erlebnis war die single-track road nach Westen, zum Hafenörtchen Fionnphort, von wo ich mit einer kleinen Fähre nach Iona übersetzte. Die Christianisierung der britischen Insel soll von hier aus erfolgt sein, ein Missionar soll hier, von Irland kommend, ersten Fuss auf britischen Boden gesetzt haben. Die kleine Kirche Iona Abbey ist letzte Ruhestätte der meisten überwiegend schottischen Könige, insgesamt wohl 48, einschließlich Duncan, das Opfer von Macbeth.
Als meine Zeit in Schottland zu Ende ging, nutzte ich die Fähren nach Lochaline und später bei Corran, fuhr das schöne Tal Glen Coe hinunter nach Crianlarich und übernachtete auf dem Stellplatz in Lochearnhead. Am nächsten Tag nahm mich die Superfast-Fähre von Edinburgh wieder mit nach Zeebrügge, der Heimat entgegen.
Rückblickend muss ich sagen, dass die Reise mit dem Wohnmobil durch Schottland bedingt zu empfehlen ist. Wer sich darauf einlässt, wird wunderbare Eindrücke und herrliche Landschaften erleben, aber auch eine gewisse Enge. Durch die Linkslenkung im breiten Fahrzeug wird man zu erhöhter Wachsamkeit gezwungen, sieht den Gegenverkehr oft spät, darf an engen und unübersichtlichen Stellen, und davon gibt es viele, nicht über die Mittellinie kommen. Auch mal eben links anhalten, um einen schönen See zu betrachten, kann man weitgehend vergessen. Das Land gehört nicht zu den preiswerten Urlaubszielen. Die Möglichkeiten, frei zu stehen, sind begrenzt weil die Behörden zur Vermeidung von Gypsy-Wohnwagensiedlungen die interessantesten Stellen mit Übernachtungsverboten belegt haben.